Adipositas! Gewichtsreduktion durch fermentiertes rotes Reismehl
Rotes Reismehl enthält Monacoline die als kompetitive HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren in der Leber wirken. Wie bereits ausgeführt, bremsen die Monacoline die Umwandlung von 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym A in Mevalonat. Wird diese Umwandlung gebremmst, fällt aber nicht nur das Substrat 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym A etwas verstärkt an, sondern auch dessen Vorstufen Acetoacetyl-CoA und Acetyl-CoA.
Acetyl-CoA wiederum kann in der Leber im Rahmen der Glukoneogenese zum Neuaufbau von Zucker verwendet werden. Acetyl-CoA stimuliert die Pyruvat-Carboxylase, die aus Pyruvat das Oxalacetat erzeugt. Oxalacetat wiederum ist das Substrat der Glukoneogenese. Der Neuaufbau von Glukose ist energieaufwendig und kostet 2 Pyruvat, 4 ATP, 2 GTP und 4 H2O.
Da jedoch Übergewichtige durch ihre Fettreserven genügend Energie bereitstellen können, hat dieser Energieaufwand sogar einen positiven Effekt. Die Kohlenstoffquellen (u.a. glukogene Aminosäuren) finden sich im Aminosäureanteil des roten Reismehls, so dass der Glukoneogenese aus biochemischer Sicht nichts entgegen steht.
Immer wieder war in klinischen Studien über Gewichtsreduktionen unter Therapie mit rotem Reismehl berichtet worden. 15 Hyperlipidämiepatienten die mit rotem Reismehl über 8 Wochen behandelt wurden, berichteten über eine Gewichtsreduktion 1.5% (66 auf 65 kg). In der 15köpfigen unbehandelten Kontrollgruppe hingegen trat dieser Effekt nicht auf. 35 Patienten mit Fettleber die eine analoge Reismehldosis über 3 Monate verabreicht bekamen, stellten als Nebenbefund eine Gewichtsreduktion in 10 Fällen (29%) um 1 kg, in 8 Fällen (23%) um 2 kg und in einem Fall (3%) um 3 kg fest.
In einer Studie, in welcher übergewichtige Patienten innerhalb einer dreimonatigen Therapie mit rotem Reismehl eine z.T. erhebliche Gewichtsreduktion erzielen konnten untermauert diesen Ansatz.
Eine Gewichtsreduktion gelang besonders bei Patienten mit Heißhungerattacken, deren Hungergefühl auf deutliche Blutzuckerschwankungen zurückzuführen ist. Rotes Reismehl stabilisiert, wie bereits bei Diabetikern und biochemisch belegt gezeigt, indirekt den Blutzucker und führt somit bei leicht fallendem Blutzuckerwert zur schnellen Anhebung via Glukoneogenese. Dies führt bei engmaschiger Einnahme ausreichender Reismehlmengen zu einer erheblichen Reduktion des subjektiv empfundenen Hungergefühls und erlaubt es Übergewichtigen, eine kalorienreduzierte Kost über lange Zeiträume problemlos einzuhalten.
Die Gewichtsreduktion erfolgt innerhalb der ersten Wochen schneller, später verringert sie sich aufgrund der Downregulation des Grundumsatzes mit zunehmender Diätdauer. Dies bedeutet für den Patienten die Notwendigkeit einer engmaschigen Eigenkontrolle des Hungergefühls und eine stetige Einnahme des Reismehls ggf. alle 3 Stunden in ausreichender Menge.
Ein erheblicher Vorteil dieser Gewichtsreduktion mit rotem Reismehl ist jedoch die drastische Reduktion des Hungergefühls und die sonstigen kardioprotektiven Vorteile (Blutfettregulation, Senkung der Blutviskosität, Verringerung des KHK-Risikos). Diese Art der Gewichtsreduktion ist vor allem für eigenständige Patienten sehr gut geeignet.